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(Zeitungsartikel aus der »NRZ« vom 16.10.2017) Für mehr Lebensqualität
Veranstaltungsfoto: Birgit Kessler, Geschäftsführerin von „Die Pflege“, warb mit Unterstützung für Palliativversorgung. Fünf Jahre gibt es jetzt das Palliativ-Netzwerk Niederrhein.
Sein Informationstag über Palliativmedizin und -versorgung stieß aber auf nicht sehr große Resonanz.


Rheinberg. Die Türen des Rheinberger Alten Rathauses standen Samstag weit offen. Große Plakatständer draußen und im Eingangsbereich kündigten an, worum es im historischen Ratssaal ging. Im Fokus der Informationsveranstaltung standen die Themen Palliativversorgung und Palliativmedizin. Mag sein, dass die Begriffe mit dem Wort „palliativ“ in der Meinung vieler Menschen negativ belegt sind.
Text und Fotos: Peter Bußmann

„Palliativ-Patienten leben länger.“
Dr.Günther Klaus Gollan und Dr. René Simon werben für die Steigerung der Lebensqualität.

Über Tod und schwere Krankheit redet man nicht gerne, verdrängt die darum kreisenden Gedanken. Vielleicht lag es ja genau daran, dass der Besuch der eigentlich sehr wichtigen Infoveranstaltung des „Palliativ-Netzwerks Niederrhein“ relativ schwach war. Dabei klärten die Teammitglieder und die Rheinberger Ärzte Dr. Günther Klaus Gollan und Dr. René Simon über ein Thema auf, was wohl jeden angeht.

Oft sei Heilung nicht mehr möglich, erklärten beide in ihren sehr informativen Vorträgen. Dann aber rückt für Schwerstkranke der Erhalt der Lebensqualität in den Mittelpunkt. Nicht fast anonym im Krankenhaus sterben, sondern die verbleibende Lebenszeit in vertrauter Umgebung, meist zu Hause selbst bestimmt verbringen.

Darum ging es Samstag. „Wir möchten das fünfjährige Bestehen unseres Netzwerks nutzen, um uns mit unseren Partnern einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen“, sagt Gollan vom Palliativ-Netzwerk Niederrhein. Deren Ziel es ist, mit spezialisierter ambulanter Palliativversorgung die Lebensqualität von Schwerstkranken und Sterbenden verbessern. In enger Abstimmung mit den behandelnden Haus- und Fachärzten, Pflegediensten und Krankenhäusern werden so Patienten nicht nur in einem Hospiz bestmöglich palliativ betreut. Dazu zählt neben einer effektiven Schmerztherapie und Symptomkontrolle auch die Einbindung der Angehörigen beziehungsweise die Berücksichtigung des gewohnten Umfeldes.

Gollan, seit 35 Jahren erfahrener Mediziner in Rheinberg, erklärte: „Die klassische Medizin verfolgt das Ziel, den Patienten von seinen Krankheiten zu heilen. Die Palliativmedizin kommt ins Spiel, wenn die Mittel der klassischen Medizin nicht ausreichen. Sie legt den Fokus weg von der Behandlung, will unheilbar Kranke dabei unterstützen, ihre letzten Wochen und Tage mit einer möglichst hohen Lebensqualität zu erleben, selbst bestimmt und ohne unnötiges Leid – eben den Tagen mehr Leben geben.“ Oft ist das verbunden mit einer medizinisch betreuten Schmerztherapie. Nicht das technisch Machbare steht dabei im Vordergrund, sondern das, was der Patient will.

Simon referierte auch über die Themen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Fragen kamen reichlich. Gollan stellte den grell-gelben, auffälligen „Palliativausweis für den Niederrhein“ vor, eine Neuentwicklung. Er dient als Ergänzung zur oft seitenlangen Patientenverfügung. „Das kann der behandelnde Notfallmediziner oft gar nicht alles lesen.“ Der Ausweis, ausgestellt in der Regel vom Haus-oder Facharzt, zeigt komprimiert auf einen Blick das Verfügte an, so der Allgemein- und Palliativmediziner. „Der Ausweis informiert schnell und umfassend über die Wünsche des Patienten, um eine Behandlungsentscheidung in dessen Sinne zu treffen, wenn dieser selbst nicht mehr entscheidungsfähig ist oder eine Patientenverfügung nicht vorliegt.“
Beim Informationstag des Palliativ-Netzwerks Niederrhein im Alten Rathaus Rheinberg gab es nur geringe Resonanz.
Beim Informationstag des Palliativ-Netzwerks Niederrhein im Alten Rathaus Rheinberg gab es nur geringe Resonanz.
Dr. René Simon (links) und Dr. Günther Klaus Gollan warben für den neuen Palliativausweis..
Dr. René Simon (links) und Dr. Günther Klaus Gollan warben für den neuen Palliativausweis.
Von Kleve bis Moers
Fünf Jahre besteht jetzt das Palliativ-Netzwerk Niederrhein, von Kleve bis Moers reichend, in drei Regionen geteilt. Zahlen sind beachtenswert: Alleine 16 Mediziner engagieren sich, neben ambulanten Pflegekräften auch Krankenhäuser, Psychoonkologen, Apotheken, Hospize. 2500 Patienten versorgte man, die meisten zu Hause, andere in zwei Hospizen, 213 in Heimen. Das Alter der Schwersterkrankten lag um 75 Jahre, 19 Tage Versorgungsdienst ist der Durchschnitt.

Eines betonten Gollan und Simon immer wieder: „Es geht um Steigerung der Lebensqualität.“ Studien bewiesen es. „Palliativ-Patienten leben länger.“ Die „Zuwendungsmedizin“ schenkt wertvolle selbst bestimmte schöne Zeit, kann die Lebenszeit noch beachtlich verlängern.
Informationsveranstaltung zu palliativen Versorgungsstrukturen
Vorstellung des Palliativausweises für den Niederrhein
jeder moment ist leben
Hospiz- und Palliativtage in NRW

Vom 13. bis 15. Oktober 2017 finden unter dem Motto „Jeder Moment ist Leben“ die landesweiten Hospiz- und Palliativtage statt. Veranstalter sind das Landesgesundheitsministerium NRW und die an der Versorgung beteiligten Institutionen.

Durch zahlreiche Aktionen in allen Regionen des Landes NRW soll auf die Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung hingewiesen werden.

Das Palliativnetzwerk Niederrhein möchte alle interessierten Bürgerinnen und Bürger im Rahmen dieser Tage am 14. Oktober 2017 zu unseren Informationsveranstaltungen herzlich einladen.
Neben zahlreichen Vorträgen und Infoständen in der Zeit zwischen 10 und 15 Uhr wird u. a. auch der „Palliativausweis“ in unserem Versorgungsgebiet vorgestellt.

Veranstaltungsorte sind:

Südkreis
Bürgerforum der Stadt
Geldern
Issumer Tor 36
47608 Geldern
Nordkreis
Kolpinghaus Goch
Mühlenstraße 36
47574 Goch
Moers u. Umgebung
Altes Rathaus
Orsoyer Straße 9A
47495 Rheinberg
Moers u. Umgebung
Rathaus
Neukirchen-Vluyn
Hans-Böckler Str. 26
47506 Neukirchen-Vluyn
Samstag den 14. Oktober 2017 in der Zeit von 10 - 15 Uhr

Wir würden uns freuen, Sie auf einer unserer Veranstaltungen begrüßen zu können!
Mehr unter: www.hospiz-und-palliativtage.nrw.de


Ein Stück Lebensqualität wieder zurückgewinnen
Veranstaltungsfoto: Ein Stück Lebensqualität wieder zurückgewinnen (Zeitungsartikel aus den »Niederrhein Nachrichten«, Ausgabe 24. KW vom 18.06.2016)

Am 15.06.2016 hat die Palliativ Netzwerk Niederrhein GmbH im Südkreis Kleve gemeinsam mit den qualifizierten Palliativärzten Dietz Dallmann, Dr. Herdemann, Meinrad Klein-Walbeck, Dr. Kleinstäuber und Frau Dr. Spickmann und den Pflegediensten Caritas Pflege und Hilfe zu Hause, Geldern-Kevelaer e.V., Pflegedienst Gelderland zu einer Infoveranstaltung zum Thema »Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) in Pflegeeinrichtungen« eingeladen.


Weitere Bilder der Veranstaltung:

Infoveranstaltung »Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) in Pflegeeinrichtungen«

Infoveranstaltung »Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) in Pflegeeinrichtungen«

Infoveranstaltung »Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) in Pflegeeinrichtungen«

Infoveranstaltung »Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) in Pflegeeinrichtungen«


Das Unerträgliche aushalten
Austausch im Willy-Könen Seniorenzentrum zur Begleitung auf dem letzten Lebensweg:
Rechtsanspruch auf Palliativpflege und Hospizarbeit im Fokus


Neukirchen-Vluyn.
Der letzte Weg, Abschied, Trauer: Das Thema Tod ist kein einfaches, dabei betrifft es jeden. Vielleicht sind die Endgültigkeit und das gesellschaftliche Tabu Gründe dafür, dass der Einladung des Willy-Könen-Seniorenzentrums nicht so viele Menschen gefolgt waren, wie Einrichtungsleiterin Marina Schoofs gehofft hatte. Die AWO-Einrichtung am Fürmannsheck wollte einen Schwerpunkt auf Zeit und Zuwendung für einen würdevollen Abschied legen und die Möglichkeiten der Begleitung am linken Niederrhein vorstellen.
Trotz, oder gerade wegen der nicht so zahlreichen Teilnehmer entwickelte sich ein reger Austausch zwischen Mitarbeitenden der Senioreneinrichtung, Vertretern des Palliativ Netzwerks Niederrhein und des örtlichen Hospizvereins, sowie einigen Interessierten.

Veranstaltungsfoto: Austausch im Willy-Könen Seniorenzentrum zur Begleitung auf dem letzten Lebensweg Kleine Runde im Willy-Könen-Seniorenzentrum mit intensivem Austausch:
Vertreter des Palliativ Netzwerkes Niederrhein, des Hospizverein Neukirchen-Vluyn, Mitarbeitende sowie einige Interessierte.
Bericht der WAZ vom 19.5.2016 · Artikel: Hanna Lohmann · Foto: Markus Joosten

Eine Tatsache ist vielen Menschen unbekannt: Seit 2007 besteht ein gesetzlicher Anspruch auf eine „Spezialisierte ambulante Palliativversorgung“, kurz SAPV.
Das bedeutet, dass Menschen, die von Ärzten oft als „austherapiert“ bezeichnet werden, eine palliative Begleitung für den letzten Lebensabschnitt bekommen können.
Die Mitarbeitenden rund um Regina Kämpken, die Ansprechpartnerin für den Südkreis Kleve, Moers und Umgebung, können eine ganze Menge leisten, wenn Angehörige an ihre Grenzen stoßen: „Innerhalb weniger Stunden ein Pflegebett, ein Sauerstoffgerät oder Medikamente“ - die Fachleute haben Möglichkeiten, die Privatleuten in der Notsituation nicht zu Verfügung stehen oder schlicht nicht einfallen. Dabei verstehen sich die speziell ausgebildeten Ärzte und Pfleger nicht als Konkurrenz für den behandelnden Hausarzt, eher als Ergänzung. Es geht nicht um Heilung einer Erkrankung, sondern darum, Symptome zu lindern oder sonstige nachteilige Folgen zu reduzieren, damit Menschen in Ruhe und Würde sterben können. Dr. Katrin Hesters kennt das „Drehtürphänomen“ wie sie es nennt nur zu gut: Entlassung - Verschlechterung des Allgemeinzustandes - erneute stationäre Aufnahme. Dabei wünschen sich die allermeisten Menschen zu Hause zu sterben und nicht im Krankenhaus. Auch Dr. Günther-Klaus Gollan ist Palliativmediziner und mag den Begriff „austherapiert“ nicht. Sein Team und er setzen dort an, wo „keine Heilung mehr, aber eine Verbesserung der Lebensqualität möglich ist“. Dabei stehe der Patientenwille immer ganz oben. Für den Fall, dass dieser nicht mehr kommuniziert werden könne, betonte der Mediziner die Bedeutung einer Patienten- und Vorsorgevollmacht.


Wir erinnern uns … Abschied nehmen und doch verbunden bleiben

Die Palliativ Netzwerk Niederrhein GmbH lud im Herbst 2015 erstmals Angehörige und Freunde unserer verstorbenen Patienten - Raum Moers und Umgebung - zu einer Gedenkfeier ein.
Im Lichtsaal des Moerser Eurotec-Gebäudes empfingen wir über 50 Gäste.
Zu stimmungsvoller Musik wurden die Namen der Verstorbenen verlesen und für jeden Patienten wurde auf einem kleinen sternförmigen Teller eine Kerze angezündet.
Der inzwischen frühe Abend endete bei Begegnung und Gespräch, sowie einem kleinen Imbiss.

Gedenkfeier im Herbst 2015

Gedenkfeier im Herbst 2015

Gedenkfeier im Herbst 2015

Gedenkfeier im Herbst 2015

Gedenkfeier im Herbst 2015

Gedenkfeier im Herbst 2015